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angedacht
im Frühjahr 2012
 
 
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In letzter Zeit benutze ich meinen Computer immer mal wieder, um das altbekannte Spiel Tetris zu spielen. Bei diesem Spiel müssen verschiedene zufällig am oberen Bildschirmrad auftauchende Bauklötze so gedreht und verschoben werden, daß sie am unteren Bildschirmrand eine Zeile komplett füllen. Zeilen, die komplett gefüllt sind, werden gelöscht; Zeilen mit Leerstellen bleiben stehen, so daß sich mit jedem Fehler das Spielfeld nach oben hin verkleinert. Das Spiel endet, wenn oben kein Platz mehr ist, um neue Bauklötze unterzubringen.
 
Mir ist aufgefallen, daß das Leben oft ganz ähnlich verläuft wie das Spiel Tetris.
Manche Stellen scheinen geradezu auf einen bestimmten Klotz zu warten. Da nehme ich mir vor, die Stelle freizuhalten, bis genau dieser Stein erscheint. Während ich dann auf diesen einen Stein warte, setze ich andere Klötzchen an völlig widersinnige Plätze, so fixiert bin ich auf diesen einen Stein. Es kann aber genauso sein, daß ich zu früh aufgebe, mich auf die tatsächlich erscheinenden Klötze einlasse, und schließlich, wenn der ersehnte Stein auftaucht, den vorgesehenen Platz bereits so verbaut habe, so daß ich ihn nicht mehr einsetzen kann.
Eine andere typische Situation tritt ein, wenn das Spielfeld gegen Spielende enger wird; die Klötzchen fallen dann auch schneller.
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© 1994-1995 Opinicus Technologies/Yevgeny Gurewich
Nun schaffe ich es nicht mehr, rechtzeitig zu erkennen, wie ich die Steine drehen und positionieren muß, um sie noch unterzubringen. Daher lasse ich sie einfach fallen, setze sie versehentlich gerade an ungünstige Stellen, und gerade dadurch mache ich mein Spielfeld immer kleiner, reduziere meine Handlungs­möglichkeiten immer mehr.
Letztendlich bemerke ich: Bei Tetris kommt es nicht nur darauf an, daß ich mich konzentriere, anstrenge, und gut plane, es kommt vor allem darauf an, daß ich Glück habe. Bleibt dieses Glück zu lange aus, dann heißt es Game over, Spiel zuende, und ich muß ganz von vorne anfangen.

Viele Menschen erleben auch ihr Leben so: Da schmeißt ein unbarmherziges Schicksal klobige Klötze auf sie, die zwar manchmal gerade richtig erscheinen, oftmals aber überhaupt nicht in den Lebensplan passen, den sie sich selbst gemacht haben:
Gerade jetzt wünsche ich mir einen Partner, eine Partnerin, da lasse ich mich auch auf eine Person ein, die eigentlich gar nicht zu mir paßt. Mir wird eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle angeboten, aber für diese Tätigkeit bin ich mir zu schade. Jetzt wird in Schule oder Beruf Anstrengung von mir gefordert, aber ich habe gerade beschlossen, es etwas ruhiger angehen zu lassen. Ich will mich frei entscheiden, und das was von selbst kommt, ist für mich nicht gut genug. Außerdem kenne ich die eine Lösung für mein Problem ja bereits (der längliche blaue Bauklotz!), und eine andere kann es daher gar nicht geben … So übersehe ich gute Gelegenheiten, laufe in die falsche Richtung, fahre mich fest, läuft so manches in meinem Leben schief.

Mein Leben verläuft zum Glück (meistens) nicht so. Denn in meinem Leben wirft kein Zufallsgenerator mit Bauklötzen nach mir. Auch im Real Life, im echten Leben, kann ich nur durch meine eigene Leistung nicht alles erreichen, doch der entscheidende Unterschied ist: Ich brauche kein „Glück“, um zu gewinnen. Anstelle dieses unsicheren Zufalls, der im Spiel meine Mühe oft gnadenlos zunichte macht, tritt im Leben ein liebender Vater, der genau weiß, was er tut. Diese klobigen Steine, die mir in meinem Leben begegnen, sind, wenn ich sie recht betrachte, Wegweiser, Möglichkeiten, Ratschläge, Angebote eines guten Gottes. Oft kann ich sie trotzdem nicht so recht unterbringen, oder nicht sofort, und manches Mal landet so ein Klotz an der falschen Stelle. Aber anders als an meinem Computer weiß ich, mein wohlwollender Gott wirft mir nur Bauklötze zu, aus denen ich etwas machen kann. Er wird es immer wieder tun. Wichtiger noch: Er kann die mißlungenen Zeilen löschen, ohne daß das Spiel gleich ganz aus ist. Er gibt mir jederzeit die Möglichkeit, neu anzufangen, ohne daß mein ganzes bisheriges Leben dafür ausgelöscht wird.
Im Computerspiel ist das ein Wunschtraum, im Leben von Christinnen und Christen ist es Realität. Gott sei Dank!

„Macht euch also keine Sorgen! Fragt euch nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Euer himmlischer Vater weiß doch, daß ihr das alles braucht. Strebt vor allem anderen nach seinem Reich und nach seinem Willen – dann wird Gott euch auch das alles schenken.“
(Matthäus 6, 31-33 in Auswahl, BasisBibel)
 
Georg Litty, Januar 2012